Polizeipräsidium Ravensburg

Städtebauliche Konzeption

Das Eckgrundstück an der Gartenstraße ruft nach einer markanten Gebäudeform, die eine dezente Präsenz des neuen Polizeipräsidiums im Stadtraum ermöglicht. Aufgrund des vorliegenden Planungsrechts ist die Geschosszahl allerdings begrenzt. Unser Entwurf schlägt einen kammartigen Baukörper vor, der mit seinen drei unterschiedlich hohen Türmen auf einem Basisgeschoss die geforderten Flächen funktional sinnvoll verteilt und zugleich ein weithin sichtbares Merkzeichen im Stadtraum formuliert. Die mäandernde Struktur des Landratsamtes findet mit dem neuen Präsidium stadträumlich einen schlüssigen Endpunkt, dem hohen Bürogebäude an der Kreuzung ist es ein angemessenes Gegenüber. Der Baukörper ist zentral auf dem Grundstück platziert. Dies erlaubt eine unscheinbare Unterbringung des ruhenden Verkehrs im rückwärtigen Bereich und gleichzeitig die Ausbil- dung einer großzügigen Grünanlage mit lichtem Wald zur Gartenstraße. Das neue Gebäude präsentiert sich nach Rückbau des Bestandsgebäudes als wohlproportioniertes Volu- men inmitten einer bewaldeten Parklandschaft. Durch die Wahl eines kompakten zentralen Baukörpers kann insbesondere der vordere Interimsbau bis zur Fertigstellung des Neu- baus vollständig weiter genutzt werden. Erst danach wird dieser zurückgebaut und an gleicher Stelle die Parkanlage errichtet. Es sind keine zwei Bauabschnitte erforderlich, was den Kostenaufwand deutlich reduziert.

Energieeffizienz und technische Gebäudekonzeption

Die Auslobung fordert ein besonders nachhaltiges Gebäude, das aber kosteneffizient geplant werden soll. Wir schlagen daher ein innovatives Low-Tech-Energiekonzept vor, das die Betriebskosten wesentlich reduziert und zugleich die Herstellungskosten im Bereich der Gebäudetechnik senkt. Das Konzept beruht auf inzwischen mehrfach erprobten Pilot- projekten in Vorarlberg.
Dabei wird die Gebäudehülle extrem dickwandig (ca. 70cm) als zweischalige Mauerwerkskonstruktion erstellt. Damit wird einerseits der geforderte Dämmwert für die Effizienz- hauskriterien erreicht, zugleich eine große Speichermasse erzeugt. In den realisierten Referenzprojekten kann damit vollständig auf eine Heizung verzichtet werden: Es reichen die Menschen, die Beleuchtung und die Computer, um eine ganzjährige Raumtemperatur zwischen 22 und 26 Grad zu halten. Die Fenster werden innenbündig eingebaut, was sogar den Verzicht auf einen mechanischen Sonnenschutz nachweislich erlaubt. Die Raumlüftung wird mittels digital gesteuerter Lüftungsklappen neben jedem Fenster gewähr- leistet.

Dieses Energiekonzept schlagen wir für die drei obergeschossigen Baukörper über dem Basisgeschoss vor. Nachdem die Auslobung ausdrücklich keine Glasfassade und einen moderaten Fensteranteil wünscht, sind die Obergeschosse für dieses Konzept unbedingt geeignet. Die Nutzungen im HUB hingegen, insbesondere die Raumschießanlage, das FLZ und die Seminarräume erfordern Lüftungsanlage und Heizung. Daher wird nur das EG damit ausgestattet. Auf den Dächern der drei Türme sind PV-Anlagen vorgesehen. Aufgrund der positiven Erfahrungen aus den Pilotprojekten halten wir die Konzeption für sehr geeignet, ein langlebiges, wirtschaftliches und besonders nachhaltiges Polizeipräsidi- um mit hohem Nutzungskomfort zu ermöglichen.

Erschließung, Sicherheit und ruhender Verkehr

Die Zufahrt zum Gebäude erfolgt über die O.E.W Straße, da hier in beide Richtungen ein- wie ausgefahren werden kann. Der rückwärtige eingeschossige Garagenbau erlaubt die Unterbringung der großen Dienst- und Einsatzfahrzeuge und dient in diesem Bereich zugleich als Einfriedung. Über eine Rampenerschließung kann auch auf dem Dach geparkt werden. Der hintere Teil verfügt über eine leichte Überdachung. Damit werden die geforderten Stellplätze mit ihren jeweiligen Anforderungen angeboten. Besucher- und Fahrrad- stellplätze finden sich seitlich neben dem Hauptgebäude, was eine schnelle Zuwegung zur Pforte ermöglicht. Zusätzliche kann das Grundstück auch über eine weitere Einfahrt an der Gartenstraße erreicht werden. Liefer- und Müllfahrzeuge können hier zufahren, ohne eine plötzlich mögliche Einsatzausfahrt zu behindern. Mit dieser Verkehrskonzeption ist die Befahrung auf dem Gelände immer kontrolliert. Besucher kommen nur über die vordere Einfahrt auf das Grundstück. Ab der Pforte ist das weitere Gelände und somit auch der Sicherheitsbereich des FLZ für Besucher nicht zugänglich.

Ort Ravensburg
Baujahr 2021
Projektart Wettbewerb
Fläche ca. 7.900 m² NUF
Kategorie Gewerbebau
Auftraggeber Vermögen und Bau Baden-Württemberg, Amt Ravensburg
Entwurf Jürgen von Kietzell & Markus Thiel
Team Gustel Starck, Kemal Celik & Alexandra Capra
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